Radsport versus 08/15 - Ein Leben zwischen den Welten!
Der erste Eindruck zählt - das gilt auch für Blogposts und deren Titel.
Jetzt könnte man meinen, dass der Titel einen Inhalt zum Thema Radsport und dem "anderen" Leben verspricht.
Das ist auch so :-)
Allerdings geht es in diesem Blogpost nicht um Themen, wie das beste Training, Intervalle, Ausdauer, Wattmessung, FTP oder ähnliche zu vermutende Begriffe und Zusammenhänge.
Vielmehr ist es eine Reise in Innere, in die Gedankenwelten, Wünsche, Erwartungen und deren Ausformulierung. Es geht um das Leben als Individuum, als Mensch, als Frau oder Mann, als Mutter, Vater oder sonstiges...und der Verbindung zu Anderen.
Das liest sich ja sehr esoterisch, oder wenigstens wie ein Aufsatz von Psychologiestudenten...keine Angst, in die Richtung geht es nicht - vielmehr ist es etwas, dass beobachtet werden kann und eventuell schon selbst erlebt/erfahren wurde.
Radsport bzw. Radfahren?
Das geniale an dieser Fortbewegungsart ist die, dass man schneller als zu Fuß unterwegs ist, aber nicht zu schnell (außer bei Wettkämpfen), um die Landschaft noch "spüren" zu können. Durch die Geschwindigkeit erhöht sich auch der Radius der zu erreichenden Orte und Strecken.
Geschwindigkeit oder besser Dynamik steckt in vielen von uns - der Genuss mittels Muskelkraft die Landschaft an einem vorbeiziehen zu lassen. "Glückshormone" und Botenstoffe werden dabei ausgeschüttet - es fühlt sich gut an!
Dieser Genuss der Dynamik und Geschwindigkeit will wiederholt werden, birgt also ein gewisses "Suchtpotenzial" in sich.
Wir wollen mehr - mehr Geschwindigkeit - mehr Wiederholungen - länger hohe Geschwindigkeiten - usw.
Das ganze mündet in der Suche und Bearbeitung von größerer physischen Leistungsfähigkeit - dem Training!
Und wenn das schnelle Fahren nicht mehr reicht, sucht man sich "Gleichgesinnte" und trainiert mit ihnen und fährt gegen sie (Stichwort sportliche Wettbewerbe).
Da es sich dabei um Menschen handelt, die ähnlich wie man selbst, denken und entsprechende Prioritäten setzen, befindet man sich
in einer Radsportblase!
Es dreht sich alles oder vieles im Alltag nur noch um (jetzt muss ich doch die Begriffe benutzen) Fahrradtechnik, Gewicht, Trainigsstunden, Höhenmeter, Watt/kg, FTP, Trainingslager, Wettkämpfe, Bikefitting, Platzierungen, etc.
Solange man sich in der Radsportblase aufhält, ist die Welt in Ordnung und die Menschen rund um einen verstehen die Wünsche, Ziele, Herausforderungen, aber...
es gibt noch die "Andere Welt" - provokant im Titel des Blogposts als "08/15 Welt" bezeichnet.
Wer gehört zu dieser Welt? Das sind "die Familie", Freunde außerhalb des Radsportkollektivs, Eltern, Arbeitskollegen, der Bäcker, der Pizzabote, usw.
Natürlich kann es vorkommen, dass auch ein Teil dieser Menschen in der "Radsportblase" steckt, wahrscheinlich sind sie aber die Ausnahme.
Was macht jetzt die "08/15 Welt" aus?
Ganz einfach, es ist die "echte" Welt, die Welt, in der wir alle täglich drinnen stecken und unser Leben meistern. Wir alle kommen als Teil der "08/15 Welt" auf den Planeten und meistern mit den unterschiedlichen Mitspielern unser Leben. Einmal läuft es super, dann wieder mal extrem schlecht. Meistens bewegen wir uns irgendwo in der Mitte der Lebensskala (zu mindest in unseren Luxusbreiten). Der Radsport kommt in dieser "08/15 Welt" als Randnotiz vor, nicht mehr und nicht weniger.
Wenn jetzt die "Radsportblase" und die "08/15 Welt" aufeinander treffen (und das kommt oft vor), dann entsteht ein gegenseitiges Unverständnis.
Warum interessiert den "08/15 Menschen" die Themen der "Radsportblase" nicht - Was ist an dem dauernden Radeln aus toll? Warum stören diese verrückten Radler im Straßenverkehr? Warum tut man sich diesen Stress in der "Freizeit!" an? Fragen über Fragen von beiden "Seiten".
Fakt ist, dass man sich als Radsportler sowohl in seiner "Blase", als auch in der "08/15 Welt" bewegt und hier zwischen den Welten wandelt!
Die Kombination von beiden Welten, kann schon des öfteren stressig sein. Mir geht es ja nicht anders (wahrscheinlich schreibe ich gerade diesen Text, weil ich mir schon öfter die Frage gestellt habe, "WARUM tue ich mir das an?" und "Warum versteht mich mein "08/15 Umfeld" nicht wirklich?).
Ich will das auch gar nicht bewerten, oder als gut oder schlecht hinstellen, dass man als Radsportler oft zwischen den Welten pendelt. Mir geht es nur darum, mit diesem Text aufzuzeigen, dass es vielen ähnlich geht.
Was ist die Lösung? Ich habe keine Ahnung!
Wahrscheinlich gibt es auch keine Lösung - nur ein Erkennen der zwei Welten und die Entwicklung eines Verständnisses für beide Seiten.
Wie so oft geht es um Kommunikation und Empathie - von beiden Welten füreinander. Als Radpsortler sollte man sich nicht zu ernst nehmen und die Nichtradler nicht bekehren wollen.
Als Nichtradler sollte man den Radsportlern ihren "Vogel" lassen - es gibt ja schlimmere Zeitvertreibe auf dieser Welt.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen kommunikations- und verständnisreichen Tag.
Bis demnächst,
aecyclist




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